Archiv für den Autor: Steffen Karneth

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben

Christine Machacek

Inhaberin Christine Machacek, Planungsleiter Stefan Skupin und Fertigungsleiter Christian Satzger (v.l.n.r.)

Als ich Christine Machacek im Herbst 2012 kennenlernte, war sie eine blasse, von Stress und Sorgen gezeichnete, Frau im besten Alter. Ich dagegen hatte gerade gemeinsam mit zwei Partnern eine Unternehmensberatung gegründet und brannte darauf, unseren ersten Kunden zu gewinnen, um ihn glücklich und erfolgreich zu machen.

In Christine’s Allgäuer Familienunternehmen hatten in kurzer Zeit drei ihrer langjährigsten und besten Mitarbeiter gekündigt, Umsätze waren zurückgegangen und Kunden zunehmend  unzufrieden mit der Abwicklung ihrer Bauprojekte. Nach 15 Jahren als Inhaberin und Geschäftsführerin in dritter Generation war sie an einem Punkt angekommen, wo sie grundsätzlich zweifelte, ob es wirklich das ist, was sie tun möchte.

Nachfolgegeneration des Familienunternehmens in Not

Die Ausweglosigkeit der Situation und die passende zwischenmenschliche Chemie machte die  SÄBU Holzbau GmbH tatsächlich zu unseren ersten Kunden und uns die ersten Unternehmensberater in der langen Firmengeschichte, von denen Christine immer behauptete, dass sie ihr nie ins Haus kommen.

An der guten Zusammenarbeit hat sich seitdem nichts geändert. Dafür aber alles andere! Inzwischen schreibt die gesamte Belegschaft an der Erfolgsstory mit. Und Christine hat eine nie dagewesene Freude und Strahlkraft als Unternehmerin, mit der sie auch andere Unternehmen und Unternehmerinnen inspiriert. Kürzlich erschien ihre Geschichte als Leitartikel in Deutschlands führenden Unternehmermagazin: impulse 04/17 „Einer für alle“

Kollektive Führung im Spannungsfeld zwischen ICH und WIR

Was ist der Zusammenhang zwischen unseren individuellen Bedürfnissen, die immer differenzierter und vielfältiger werden, und einer wachsenden kollektiven Bewusstheit und Intelligenz?

Bevor wir uns als Menschheit unserer Individualität bewusst wurden, waren wir automatisch mit einem kollektiven WIR als uns selbst identifiziert. Das konnte der Stamm, der Clan, die Sippe sein, aber auch die Familie, der Verein oder die Partei. Wir existieren also nie ausserhalb eines kulturellen Rahmens von Normen und Regeln, die uns formen und prägen.

Als mir das so richtig bewusst wurde, fiel mir auch auf, dass meine bisherige Entwicklung, und in gewisser Weise die Geschichte der ganzen Menschheit, immer ein Rebellieren und Ausbrechen aus einem WIR und im nächsten Moment, oder gleichzeitig, ein Festhalten und Bewahren kultureller Normen ist.

Diese Erkenntnis erwacht zunehmend in unserem kollektiven Bewusstsein. Und weil es nie nur das eine oder das andere ist, und beide Seiten irgendwie zusammen gehören, interessiert mich das Spannungsfeld zwischen ICH und WIR, zwischen Autonomie und Gemeinschaft, zwischen individueller Entfaltung und kollektiver Ausrichtung und die Frage, was es braucht, dieses Spannungsfeld bewusst zu halten und zu gestalten? Eine lebendige Erfahrung habe ich mit ca. 70 Teilgebern beim diesjährigen Leadership³ Festival in Berlin gemacht. Weiterlesen

Das Männer-Dilemma in der Führung

Bildschirmfoto 2014-12-17 um 09.30.18In der Geschlechterdebatte um die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote fühlen sich oft beide Seiten diskriminiert: Männer beklagen eine generelle Benachteiligung bei Ausschreibungen, Frauen die weiter niedrige Präsenz in den Spitzengremien. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der größten 200 deutschen Unternehmen bei gut 15 Prozent – gut 2 Prozentpunkte über dem Vorjahr – und stagnierte in den Vorständen annähernd bei mehr als 4 Prozent.

In einer jüngsten Online-Umfrage des Führungskräfteverbandes VAA (s. Grafik) sehen mehr als die Hälfte aller befragten männlichen Führungskräfte ihre Berufsaussichten durch Frauenförderprogramme „negativ“ beeinträchtigt. Frauen im Gegenteil bewerteten den Effekt der Förderung weniger gravierend. Ihr Empfinden, bevorzugt zu werden, fällt weit geringer aus als unsere männliche Sorge, benachteiligt zu werden.

Diese Statistik schockiert. Nicht aufgrund der Prozentzahlen, sondern aufgrund der Kluft unserer geschlechtsspezifischen Reaktion auf die zukünftige Gleichstellung von Frauen und Männern. Was verunsichert uns Männer so sehr, wenn Frauen gleichwertig und gleichberechtigt ihren „Mann“ stehen? Weiterlesen

Führen aus Mangel oder Fülle

Mangel - ÜberflussEin Buch macht gerade Schlagzeilen. Reinventing Organisations berührt weltweit die Herzen vieler Unternehmer und Führungskräfte auf der Suche nach neuen Formen der Organisationsführung und Unternehmenskultur. Dessen Autor, Frederic Laloux, sagte in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift evolve„Typisch für den Wandel zu evolutionären Organisationen, wie ich es nenne, ist der Übergang von Angst zu Vertrauen, von Mangel zu Fülle. Dieser Übergang spiegelt sich in den neuen Strukturen wieder. Von Strukturen, die auf Angst, Kontrolle und Überwachung beruhen, geht man über zu Strukturen, die auf Möglichkeiten, Entfaltung und Offenheit basieren.“

Das ist einerseits nichts Neues. Als Persönlichkeits- und Organisationsentwickler bin ich immer auf der Suche nach neuen Strukturen und Praktiken, die Menschen und Unternehmen bestmöglich in ihrer Weiterentwicklung fördern. Weiterlesen

Die grosse Samwer-Show oder Der Makel deutscher Gründlichkeit im wirtschaftlichen Handeln

Q000051de-Samwer-Brothers-Teaser-248x148Die Samwer-Brüder waren meine Internet-Helden, als sie 1999 das Auktionshaus Alando gründeten und sechs Monate später für 43 Millionen Dollar an eBay verkauften. Solche Erfolgsgeschichten kannte man bis dahin nur aus Amerika. Damals lebte und arbeitete ich in der Kölner Innenstadt und die Samwer Brüder kamen aus dem wohlhabenden Stadtteil Marienburg ganz in der Nähe. Plötzlich schienen die unbegrenzten Möglichkeiten des neuen Marktes Internet zu Hause angekommen und ein Hauch von Silicon Valley zum Greifen nah.

Zwei Jahre später, inzwischen wohnte ich in Amsterdam, flog ich selbst das erste Mal nach San Francisco für WebEx, ein junges Startup, das aufgrund seiner Innovation auf dem Gebiet der Online-Kommunikation schnell expandierte. Die Erfindung eines Inders und eines Chinesen, Geschäftsmeetings über das Internet zu führen, war revolutionär. Uns begeisterten die unbegrenzten technischen Möglichkeiten, die das Internet bot, aber auch das moralische Werteversprechen, mit diesem Service Stress zu reduzieren, mehr Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen zu haben und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.  Weiterlesen

Warum WIR Fußballweltmeister sind

deutschland händeWer hätte das gedacht? Ausgerechnet Mario Götze, der am häufigsten kritisierte deutsche Turnierspieler, schießt Deutschland im hart umkämpften Finale gegen Argentinien mit einem Traumtor in der 113. Spielminute zum WM Titel, …um dann in einer bezeichnenden Geste für das im deutschen Team grossgeschriebene WIR, den verletzt abwesenden Marco Reus am Sieg teilhaben zu lassen, indem er das Trikot mit seinem Namen trägt.

Während Experten noch über dem historischen 7:1 Halbfinalsieg gegen Gastgeber Brasilien rätseln, steht fest: Deutschlands Fußball hat sich verändert, und zwar grundlegend und tiefgreifend. In einem jüngst veröffentlichten Artikel der Huffingtonpost analysiert Otto Scharmer, Gründer des Presencing Instituts, diese Entwicklung sinngemäß so: Weiterlesen

Burnout, Resilienz und die Kraft des Wir

Glückshandbuch_Cover

Cover zum Glückshandbuch vom Kongress-Referenten Werner Tiki Küstenmacher

Wie würde es sein, wenn über 1000 Teilnehmer und mehr als 70 Referenten, Workshop-Leiter, Forumgeber und Open Space-Moderatoren 4 Tage lang ein brandheißes Thema bewegen? Mit dieser Frage fuhr ich vergangene Woche zum Kongress „Burnout und Resilienz“ der Akademie Heiligenfeld in Bad Kissingen, der bereits seit Monaten ausverkauft war.

Die Burnout-Thematik bewegt derzeit nicht nur unsere Medien. Mediziner, Heilpraktiker und Therapeuten, Ökonomen, Soziologen und Universitätsprofessoren, Politiker und Pastoren, und nicht zuletzt verantwortliche Unternehmer und Unternehmensberater beschäftigt das wachsende gesellschaftliche Phänomen, warum in einem Land sozialer Freiheit und Absicherung immer mehr intelligente und engagierte Menschen ihre Lebensenergie verlieren und ausbrennen? Weiterlesen

Was ist gute Führung?

führungsqualitätIn meiner Arbeit mit Unternehmensleitern und Führungsteams ist das die Frage, die mich am meisten bewegt und immer wieder innehalten lässt, die mich nachts wach hält und dann wieder in Beziehung bringt. Und manchmal sehe ich in der Ferne schon die Zeichen und Umrisse einer Antwort: Gute Führung ist die kollektive Fähigkeit, Zukunft zu gestalten.

Außergewöhnliche FührerInnen in der Menschheitsgeschichte träumten immer von einer bis dahin noch undenkbaren Zukunft. Nelson Mandela hatte den Traum eines geeinten Südafrika, der es ihm ermöglichte, die Wut, den Schmerz und die Entwürdigung seines Volkes, sowie seine eigene 27-jährige Gefangenschaft während der Apartheid zu ertragen. Der Erfolg seiner Führung war auch eine Perspektive, die weit über die Grenzen seiner persönlichen und ethnischen Identität hinausblicken konnte. Aber nicht jede Führungskraft mit Weitblick berührt andere Menschen so wie Mandela es tat. Dafür braucht es auch ein hohes Maß an Selbstreflexion und menschliches Mitgefühl. Weiterlesen

Meditation für alle – Mode oder Achtsamkeitsrevolution?

meditationVor kurzem war ich Teilnehmer am 4. Frankfurter Demografie-Kongress. Der demografische Wandel ist ein bedeutender Zukunftstrend, und so war auch die Veranstaltung hip und trendy. Expertenvorträge, Bistrotalks und Workshops wurden live visualisiert. In den Pausen gab es Poetry-Slam, Street-Performance und Brainflow und von überall konnte zu jeder Zeit getwittert werden.

Die coolste Überraschung aber war etwas ganz Unerwartetes: Eine Studentin der Hochschule in Coburg, die erste in Deutschland mit einer Fakultät für Integrative Gesundheitsförderung, leitete eine 5-minütige Meditation mit allen Teilnehmern. Weiterlesen

Revolution „Weichei“ oder Warum das, was Gen X an Gen Y nicht versteht, inspiriert

FührungsteamMit fast 50 interessiert es mich plötzlich, wie es sich anfühlt, älter zu werden. Vor kurzem arbeitete ich zwei Tage mit einem 6-köpfigen Führungsteam eines mittelständischen Unternehmens und machte eine interessante Erfahrung: Man wird älter, wenn man die nachfolgende Generation nicht mehr so richtig versteht und feststellt, dass die eigenen Bewertungskriterien verstaubt sind.

Im Führungsteam gab es einen jungen Mann Mitte Zwanzig, der im Durchschnitt 20 Jahre jünger war als der Rest der Mannschaft. Seine ganz andere Art stach heraus und hatte mich auf befremdliche Weise so gefesselt, dass ich herausfinden wollte, wie diese junge Generation tickt und wie sie unsere Zukunft verändern wird. Weiterlesen