Equal Pay Day oder lasst uns die Zukunft der Arbeitswelt gemeinsam gestalten!

Equal Pay Day

Immer wieder werden Umfragen vorgestellt, in denen der Unterschied zwischen Frauen und Männern klar gemacht wird. Ja, es gibt ihn, den Unterschied. Teilweise ist er durch praktische Umstände und soziales Verhalten zu erklären und teilweise durch biologische Unterschiede. Jedoch stellt sich für mich die Frage, wann wir anfangen, nicht mehr in Unterschieden zu denken, sondern an einer gemeinsamen Vision für die Zukunft zu arbeiten.

Anlässlich des Equal Pay Days möchte ich auf einige der Unterschiede eingehen und eine Perspektive anbieten, die mehr das gemeinsame Ziel vor Augen hat als den Kampf zwischen den Geschlechtern.  Als Basis dafür beziehe ich mich auf eine kürzlich erschienene Xing-Umfrage zur Zufriedenheit im Job. Das Fazit daraus ist, dass Frauen unzufriedener mit der Flexibilität der Arbeitszeiten, Gehalt und Karrieremöglichkeiten sind.

Man kann die Differenz in der Unzufriedenheit von Männer und Frauen in einigen der abgefragten Punkte durch praktischen Unterschiede im Alltag begründen. Aber was würde es bedeuten, wenn wir nicht vom Blickpunkt der Benachteiligung der Frauen uns dem Thema nähern, sondern von dem, wie wir uns eine bessere Zukunft vorstellen?

  • Mit der Flexibilität der Arbeitszeit sind Frauen (im Durchschnitt) weniger zufrieden, weil die meisten Frauen nach wie vor den größeren Teil der Kinderbetreuung und des Haushaltes übernehmen. Diese Doppel- oder Dreifachbelastung erhöht den Wunsch nach einer höheren Flexibilität. In einem zukunftsträchtigeren Model wäre es wichtig, dass Frauen diese Bereiche abgeben und Männer bereit sind, mehr davon zu übernehmen, aus dem Selbstverständnis heraus, dass die Erziehung der Kinder oder Hausarbeit in zeitgemäßen Gesellschaftsformen nicht einem Geschlecht zuzuordnen sind. Der Spruch von Sheryl Sandberg  ist ebenso relevant wie beliebt: Die wichtigste Karriereentscheidung einer Frau ist die Entscheidung, welchen Ehemann sie wählt. Erlaubt es sein Selbstverständnis, die Aufgaben im Haus und die Kinderbetreuung gleichberechtigt zu teilen?
  • Die Unzufriedenheit beim Gehalt ist sowohl auf die historisch gewachsene geringere Bezahlung von Frauen zurückzuführen als auch auf die Zurückhaltung und Unterschätzung  des eigenen Wertes bei Gehaltsverhandlungen. Aktionen wie der Equal Pay Day machen auf die tatsächliche Situation aufmerksam und fordern Arbeitgeber dazu auf, diese Ungleichheit abzuschaffen. Wir Frauen sollten aber auch den Mut haben, mehr zu fordern. Es braucht hier sicherlich einen Wertewandel bei beiden Geschlechtern, in dem sich Frauen und Männer nicht nur deshalb mehr oder weniger wert fühlen, weil sie in einem bestimmten Körper geboren wurden. Dies ist keine leichte Aufgabe, weil uns eine Sozialisierung von Kindesalter diese angeblichen Unterschiede einprägt. Ich musste sehr tief in mich gehen, um diese loslassen zu können. Es braucht hier eine Bewusstseinsarbeit, die meiner Meinung nach für eine gemeinsame Zukunft unabdingbar ist.
  • Die Karrieremöglichkeiten der Frauen haben sich in den letzten 20 Jahren auf jeden Fall verbessert. Jedoch mit Männern gleichgestellt sind Frauen nach wie vor nicht, insbesondere wenn es sich um den Aufstieg in Führungspositionen handelt. Obwohl beide Seiten der Diskussion über die Frauenquote gute Argumente liefern, bin ich doch der Meinung, dass die Einführung ein guter und notwendiger Schritt war, um die – ja noch immer existierende – gläserne Decke zu durchbrechen. Die meisten Unternehmen in Deutschland haben über die letzten 20 Jahre aus sich heraus keine wesentliche Veränderung in Bezug auf Frauenanteil in Führungspositionen vorzuweisen.  Dies hat auch mit der Angst vieler Männer vor Veränderung und Schwächung ihrer Position zu tun. Im Blog mit dem Titel „Das Männer Dilemma“ wird deutlich, dass „mehr als die Hälfte aller befragten männlichen Führungskräfte ihre Berufsaussichten durch Frauenförderprogramme ‚negativ‘ beeinträchtigt“ sehen.(http://growthriver.de/das-maenner-dilemma/) Daraus ergibt sich für mich die Frage, wie wir eine Unternehmenskultur gestalten können, in der Männer und Frauen gleichberechtigt arbeiten und sich gegenseitig unterstützen anstatt miteinander zu konkurrieren? In einem Workshop vor mehreren Wochen habe ich genau diese Frage gestellt. Wir hatten gerade die vier Stadien der Unternehmensentwicklung durchgesprochen und uns darüber unterhalten, wie das höchste der vier Stadien aussehen würde. Dieses Stadium wird als „sich selbst entwickelnde Teams“ bezeichnet. Die Unternehmenskultur wurde als sinn- und zweckorientiert, wertschätzend, kreativ, gebend und annehmend und „mit Spaß bei der Arbeit“ beschrieben. Interessanterweise haben alle zugestimmt, dass davon auszugehen ist, dass in einer Kultur mit diesen Eigenschaften Frauen und Männer gleichberechtigter zusammenarbeiten würden. Dies wurde damit begründet, dass der Fokus nicht mehr auf  Konkurrenzdenken gerichtet ist, sondern auf ein Miteinander und gemeinsame Ziele. Damit dieses Stadium der Unternehmensentwicklung erreicht wird, ist eine Bewusstseinsentwicklung notwendig.  Mehr über die Entwicklung von Unternehmenskultur und Führungsteams finden Sie hier:  http://growthriver.de/unternehmenskultur-bewusst-gestalten/

Equal Pay Day ist für mich daher ein Anstoß, die Unternehmenskultur insgesamt zu verbessern und nicht nur die Gehaltsstruktur unter die Lupe zu nehmen.

Sind Sie bereit sich zu entwickeln, damit wir in Zukunft gemeinsam an einem Strang ziehen?

Link zum Artikel zur Xing Umfrage: Frauen sind deutlich unzufriedener in ihrem Job: https://spielraum.xing.com/2015/02/frauen-sind-deutlich-unzufriedener-in-ihrem-job/

Ein Gedanke zu „Equal Pay Day oder lasst uns die Zukunft der Arbeitswelt gemeinsam gestalten!

  1. Karen Seelmann-Eggebert

    Liebe Sylvia,

    danke für diesen Artikel – ein wichtiges Thema, das Du beleuchtest. Für mich ist die Frage interessant: Wie erweitert die jeweilige Sicht des Mannes bzw. der Frau eine Angelegenheit. Die geschlechtseigene Seite ist uns meistens sehr vertraut, so dass das Einnehmen der andersgeschlechtlichen Perspektive gewinnend sein dürfte und darf.

    Also: Was gewinne ich durch die erweiterte Wahrnehmung und Perspektive?

    Herzliche Eifelgrüße,

    Karen

    Antworten

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