Führen Frauen anders? 6. Teil Feedback lieben lernen

Feedback lieben lernen Feedback Hand

„Ich habe schon wieder Feedback bekommen!“. Die meisten Menschen assoziieren Feedback mit etwas Negativem. Dabei ist Feedback einfach nur die Rückmeldung des Empfängers einer Nachricht (nach einer Definition von Wikipedia). Wenn der Inhalt richtig kommuniziert wird, dann kann es ein sehr kraftvolles Instrument für Entwicklung sein. Konstruktives Feedback geben und nehmen ist eine Kunst, die erlernbar ist!

In einem unserer Workshops hat sich ein Führungsteam darauf geeinigt, die Wertschätzung im Unternehmen weiter zu verbessern. Wertschätzung sollte vor allem durch positives Feedback gesteigert werden, z.B.: „Das Projekt ist super gelaufen.“ Schon alleine dieser einfache Satz von einer/m Vorgesetzten kann die Motivation der Mitarbeiter/innen steigern. Großzügiger ausgedrückt: „Ich danke Euch für Euren Einsatz. Wir haben das Projekt in der vorgegeben Zeit und innerhalb des Budgets zur vollen Zufriedenheit des Kunden umsetzen können.“ Würden Sie es nicht auch lieben, solches Feedback zu bekommen?

Wie oft haben Sie solches Feedback gegeben? Erfahrungsgemäß wird positives Feedback leider weniger oft gegeben, als es gut und angebracht wäre. Woran liegt das? Sehen wir die Chancen für positives Feedback nicht? Oder sind wir so erzogen, als selbstverständlich anzunehmen, dass alles glatt läuft, und nur Rückmeldung zu bekommen, wenn etwas schief geht?

Die Chance für positives Feedback hat sich in dem besagten Workshop schnell ergeben: Ein Mitglied des Führungsteams hatte die eigene Teilnahme am Workshop schlecht bewertet, obwohl er von allen anderen viel besser eingeschätzt wurde. Wir waren verblüfft, dass keiner der anderen Teammitglieder reagierte und fragten später nach, warum alle schwiegen. Ein Grund war, dass die Wichtigkeit, das Feedback auszusprechen, nicht klar war, obwohl gerade Wertschätzung geübt werden sollte.

Der Unterschied zwischen Feedback denken und Feedback aussprechen ist riesig. Wenn man Feedback ausspricht, gibt man im besten Falle dem anderen eine Chance, sich zu entwickeln. Im schlimmsten Falle findet man heraus, dass man selbst falsche Annahmen hatte und lernt etwas dazu. Wenn man kein Feedback gibt, bleibt alles beim Alten und keiner entwickelt sich weiter, keiner lernt aus den Situationen.

Hier einige Aspekte, die beim Feedback geben eine wichtige Rolle spielen:

–        Die Situation objektiv und unpersönlich sehen. Persönliche Gründe wie z.B. die lobentsagende eigene Erziehung, die Angst, mit der Einschätzung falsch zu liegen oder die Unsicherheit, wie man es der Person sagen soll, halten Führungskräfte davon ab, Ihre tatsächlich empfundene Rückmeldung auszudrücken. Diese Gründe können aufgedeckt werden, damit sie nicht im Wege stehen.

–        Feedback konstruktiv gestalten. Die Kunst besteht darin, das Entwicklungspotential der Person, der man Feedback geben will, im Blick zu haben. Das heißt, statt nur zu kritisieren „Das haben Sie wieder falsch gemacht“ ist zu hinterfragen, wie es verändert werden kann. „Das läuft hier nicht richtig. Was könnte hier anders gemacht werden? Wie kann ich Sie dabei unterstützen?“

–        Erforschen der Ursachen. Insbesondere wenn ein Fehler schon mehrmals aufgetreten ist, ist es wichtig, herauszufinden, warum der gleiche Fehler immer wieder passiert. Vielleicht liegt es ja nicht an der „Dummheit“ oder „Unfähigkeit“ der Person, sondern an Prozessen, Verhaltensmustern und anderen Dinge, die verändert werden können.

–        Neuen Mitarbeitern besondere Unterstützung anbieten. Jeder Mensch, der einen neuen Job anfängt, braucht etwas Zeit, um sich an die neue Umgebung, die Kollegen und die Vorgesetzten zu gewöhnen. Zeigt sich dann noch eine Wissens- oder Erfahrungslücke, dann sollte vielleicht ein Mentor, Coach oder Kollege zur Unterstützung herangezogen werden.

Meiner Erfahrung nach tendieren Frauen dazu, Feedback weicher, verständnisvoller und menschlicher auszudrücken als Männer. Jedoch habe ich auch feststellen können, dass Frauen aus Angst, falsch zu liegen, öfter kein Feedback geben.

Ein spezieller Stolperstein scheint bei Frauen im „Feedback annehmen“ zu liegen. Einige Frauen, mit denen ich gearbeitet habe, verfielen in Selbstzweifel, wenn sie kritisiert wurden. Diese Frauen haben tendenziell ein niedriges Selbstwertgefühl, das oft durch die Erziehung hervorgerufen wurde. Frauen wurden historisch betrachtet häufig als zweitrangige Menschen und dem Mann dienend erzogen. Frauen, die so erzogen wurden, versuchen einem Idealbild gerecht zu werden. Wenn man ihnen Feedback gibt, wird all das Bemühen, perfekt zu sein, anscheinend nicht anerkannt. Die Frauen fühlen sich wertlos. Ich helfe Frauen in Führungspositionen zu erkennen, dass es wichtiger ist, ein Risiko einzugehen und Neuland zu betreten, als perfekt zu sein. Wenn man/frau etwas Neues macht, passieren auch mehr Fehler, die jedoch in einem Entwicklungskontext als Lernpotenzial gesehen werden können. Das ist besonders dann erfolgreich, wenn auch die Kollegen und Vorgesetzten konstruktives Feedback üben und die Entwicklung dieser Frau im Blick haben.

Meine Aufforderung an Sie: Nutzen Sie jede Gelegenheit, um positives Feedback zu geben. Dann wird das negative Feedback auch besser angenommen. Wer nur positives Feedback gibt, wird unglaubwürdig und wer nur negatives Feedback gibt, wird sein Team nicht motivieren. Konstruktives Feedback, positives wie negatives, sollte zwischen allen Teammitgliedern praktiziert werden, damit das vorhandene Entwicklungspotential bestmöglich ausgeschöpft wird.

Links zu weiteren Einträgen der Serie:

5. Teil: Profil zeigen

4. Teil: Vor Konflikten nicht zurückscheuen

3. Teil: 5 Aspekte, die für Frauen in Führungspositionen wichtig sind

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