Konsequenzen schlechter Unternehmenskultur

Der nachhaltige Einfluss der „weichen Faktoren“ auf die „harten Zahlen“ des UnternehmenserfolUnternehmenskulturges wird in der Presse immer häufiger erwähnt. Artikel dazu findet man fast jeden Tag und in ihrem Blog zur aktuelle Studie der Personalberatungsfirma Hays hat meine Kollegin eindrucksvoll untermauert, wie wichtig die Unternehmenskultur für den Erfolg eines Unternehmens ist.

Als Unternehmensberater, die Firmen dabei helfen, durch bewusste Gestaltung der Unternehmenskultur nachhaltigen Erfolg unvermeidbar zu machen, wissen wir sehr genau von diesen Zusammenhängen. Was mich allerdings kürzlich wirklich schockiert hat, war die Erkenntnis, wie dramatisch der negative Einfluss von „schlechter“ Unternehmenskultur sein kann.

Vor kurzem habe ich für einige Tage eine kleines, aber feines Unternehmen beraten, das von vier Mitarbeitern eines größeren Anlagenherstellers gegründet wurde. Alle vier hatten vor einigen Jahren den Anlagenhersteller verlassen, weil die Unternehmenskultur „nicht stimmte“. Sie fühlten sich nicht mehr wohl, Ihre Ideen wurden nicht aufgenommen, sie wurden nicht wirklich gefordert und ihr eigenes unternehmerisches Denken wurde weder gefördert noch wertgeschätzt. Das führte letztlich dazu, dass sie zusammen eine eigene Firma gründeten, die heute ihr geballtes Know-how im gleichen Markt sehr erfolgreich für Kunden verfügbar macht. Eine solche Geschichte ist kein Einzelfall und Sie haben davon sicherlich schon häufiger gehört.

Bei der Arbeit zu einer Marktanalyse für diesen Kunden traf mich dann jedoch „der Schlag“: ein großer Teil der Wettbewerber dieser jungen Firma waren ebenfalls Firmen, die von anderen Mitarbeitern des genannten Anlagenherstellers zu unterschiedlichen Zeiten gegründet worden waren. Das bedeutete also, dass der Anlagenhersteller auf Grund seiner „schlechten“ Unternehmenskultur schon über einen längeren Zeitraum „blutete“.

In Konsequenz heißt das also, dass eine „schlechte Unternehmenskultur

  • nicht nur demotivierend für die gesamte Belegschaft ist (siehe dazu auch den Blog zur GallupUmfrage*) und
  • nicht nur dazu führt, dass die wirklich guten Mitarbeiter abwandern.
  • Sondern auch dazu beiträgt, dass die abgewanderten Mitarbeiter ein Unternehmen gründen, dass der Muttergesellschaft in der ein oder anderen Form anfängt, Konkurrenz zu machen (wahrscheinlich kommt es genau so häufig vor, dass die hoch motivierten Mitarbeiter zum Wettbewerber gehen und auf diese Art und Weise der Mutterfirma Konkurrenz machen).

Egal wie, offensichtlich sind die Konsequenzen einer „schlechten“ Unternehmenskultur dramatisch negativ. Man sollte meinen, so nachteilig, dass es sich keine Firma leisten könnte, nicht daran zu arbeiten. Und doch fällt es vielen Unternehmen immer noch schwer, sich dem Thema anzunähern, wie obige Studie klar zum Ausdruck bringt.

Hat es damit zu tun, dass wir gelernt haben, mit harten Zahlen Einsparmaßnahmen zu rechnen, aber nicht wissen, wie wir Veränderung in Gang bringen, die unseren Mitarbeitern mehr Verantwortung überträgt und Dinge möglich macht, die außerhalb unseres Kontrollbereiches liegen? Ist es der Mangel an Erfahrung bzgl. der weichen Faktoren, die nicht so richtig zu fassen sind? Freue mich auf jeden Fall über Ihre Rückmeldung, vielen Dank!

* Die GallupUmfrage macht jedes Jahr u.a. deutlich, wie hoch der Anteil derjenigen Mitarbeiter in  deutschen Firmen ist, die nur „Dienst nach Vorschrift“ machen…

4 Gedanken zu „Konsequenzen schlechter Unternehmenskultur

  1. Andreas Seidel

    Sehr geehrter Herr Schmidt,
    die Erfahrung habe ich das erste Mal gemacht bei einen Unternehmen von weltweit fast 10.000 Mitarbeitern, z.T. Weltmarktführer, dass es ab Mitte der 80er Jahre geschafft hatte, seine über 100 Jahre gewachsene Unternehmenskultur zu zerstören und bald darauf dann auch komplett vom Markt verschwunden ist. So etwas ist, ähnlich wie in dem von Ihnen geschilderten Beispiel kein Einzelfall, aber offensichtlich kein Grund für andere Unternehmen, etwas daraus zu lernen, oftmals ist dies eine Auswirkung eines Verhaltens, dass auch unter dem Begriff Managerismus bekannt ist (siehe auch http://www.managerismus.com). Oftmals können die Manager, die solches Unternehmen antun, beim nächsten unbeschadet weitermachen und im Laufe der Zeit auf verbrannter Erde erfolgreiche Karrieren aufbauen. Erstaunlich ist auch immer wieder, wie oft Signale, die meist in den Fachbereichen entstehen, nicht erkannt werden, Unternehmensstatements und die Wahrnehmung der Mitarbeiter bei ihrer Arbeit drastisch auseinander klaffen.

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    1. Andreas Seidel

      Hallo Herr Schmidt,
      ich schreibe nebenbei auch auf dieser Seite (Denkzettel 45), im zweiten Teil der geplanten Reihe zu Industrie 4.0 wird es dann u.a. auch um Unternehmenskultur gehen.
      Beste Grüße
      Andreas Seidel

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